Kurz-Interview: Martina Naumann im Gespräch mit Patrick Damschen

Martina Naumann, Jahrgang 1971, lebt und unterrichtet in Bonn. Für das Interview habe ich mich mit ihr im Bonner Café Karl verabredet. Wie sich herausstellte, ist ihr dieser Ort noch in lebhafter Erinnerung, da sie 2004 direkt vor dem Café einen schweren Fahrradunfall hatte, der ihren Lebensweg nachhaltig beeinflusste. So konnte sie längere Zeit nicht laufen und hatte starke Schmerzen. Nach etlichen Sitzungen bei verschiedenen Physiotherapeuten kam sie schließlich mit der Spiraldynamik® in Kontakt, die sie heute in ihren Yoga-Unterricht mit einfließen lässt. martina-naumann_160

3 schätze: Wie lautet Dein Lebensmotto?

Martina Naumann: “Stärke Deine Sehnsucht”

3 schätze: Welchen Yoga-Stil unterrichtest Du?

Martina Naumann: Ich unterrichte eine Kombination aus Vijnana-Yoga und Spiraldynamik®. So versuche ich Menschen eine anatomisch richtige Bewegung zu vermitteln. Man könnte auch sagen: Bewegung mit und nicht gegen die Anatomie. Mein Angebot ist daher auch geeignet für Menschen mit Rücken- Nacken-, Knie- und Fußproblemen und kann eine sinnvolle Ergänzung sein zu einer physiotherapeutischen Behandlung. Es ist ein ruhiges Yoga in kleinen Gruppen, kein Power-Yoga, mit Betonung auf Entspannung. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch mal anstrengend werden kann. Darüber freuen sich dann oft die Männer in den Kursen. Bei aller Ernsthaftigkeit steht dabei für mich der Spaß und die Leichtigkeit im Vordergrund. Man muss nicht unbedingt sportlich sein, um bei mir Yoga zu üben.

3 schätze: Seit wann unterrichtest Du Yoga?

Martina Naumann: 2009 habe ich angefangen Vertretungsstunden für andere Yoga-Lehrer/innen zu geben und seit 2012 unterrichte ich meine eigenen Kurse.

3 schätze: Was hat Dich dazu inspiriert Yoga-Lehrer/in zu werden? Warum unterrichtest Du Yoga?

Martina Naumann: Ich kann nicht anders. Aus der Erfahrung mit der Spiraldynamik® und meiner eigenen Yoga-Praxis ist einfach der große Wunsch entstanden, etwas weiterzugeben. Natürlich habe mich anfangs auch gefragt, ob die Welt eine weitere Yoga-Lehrerin braucht. Aber da ist etwas, was mich zieht. Ich möchte die Lust am Lernen und an der Bewegung vermitteln.

3 schätze: Welche Wünsche und Fragen haben Deine Schüler/innen? Was sind ihre Bedürfnisse?

Martina Naumann: Viele kommen mit dem Wunsch nach mehr Beweglichkeit und Entspannung.Manche Menschen kommen zu mir, mit mehr oder weniger großen körperlichen Baustellen. Oft wollen sie dann in kurzer Zeit, möglichst viel erreichen, ohne aber viel dafür tun zu müssen. Manchmal ist Frustration die Folge. Ich versuche zu vermitteln, dass der Weg bereits die Belohnung ist. Das hört sich sehr nach dem etwas abgenutzten Spruch “Der Weg ist das Ziel“ an. Aber ich glaube, dass diese Aussage häufig nicht richtig verstanden wird. Meiner Meinung nach besteht die Belohnung auf dem Weg darin, dass das Üben an sich bereits eine große Bereicherung ist. Themen wie Entspannung, Entschleunigung, Kontakt zu mir selbst, Glück, körperliches Wohlbefinden, das sich auch auf Geist und Seele auswirkt… all das ist unmittelbar in der Yoga-Stunde spürbar. Und die größeren Ziele kommen einem dann ganz von alleine entgegen. Es ist sehr schön zu sehen, wie sich die Menschen im Laufe der Monate sichtbar verändern.

3 schätze: Bei wem hast Du Yoga gelernt?

Martina Naumann: Ich habe über 3 Jahre eine Ausbildung in Spiraldynamik® absolviert, und zwar mit Anwendungsgebiet Yoga bei Eva Hager-Forstenlechner in Hamburg, Zürich und Salzburg. Sie ist die Expertin für Yoga und Spiraldynamik® in Europa. Daran angeschlossen habe ich eine dreijährige Vijnana-Yoga-Ausbildung (eine Form von Hatha-Yoga) bei Eva Oberndörfer in München und Orit Sen Gupta aus Israel. Seitdem besuche ich meine Lehrerinnen immer wieder und bilde mich weiter fort. Es gibt immer etwas zu lernen und zu vertiefen, bis ich dieses Wissen mit jeder Faser meines Körpers umsetzen und weitergeben kann.

3 schätze: Was bedeutet Yoga für Dich (in einem Wort):

Martina Naumann: Veränderung.

3 schätze: Ist Meditation für Dich ein wichtiger Aspekt der Yoga-Praxis? Wenn ja, warum?

Martina Naumann: Im Ansatz unterrichte ich ein eher körperliches und weniger ein esoterisches Yoga. Trotzdem geschieht Veränderung auf allen Ebenen, körperlich, geistig, seelisch. Ich wünsche mir, dass die Meditation mehr Gewicht in meiner eigenen Übungspraxis bekommt. In meinen Kursen spielt sie aber bisher noch keine so große Rolle. Ich möchte die Meditation zunächst noch mehr in meine Praxis einbauen, bevor ich mich damit an meine Schüler wende.

3 schätze: Wie gehst Du in Deiner Yoga-Praxis und in Deinem Leben mit Grenzen um?

Martina Naumann: Der Mensch ist kein Mangelwesen. Wir haben einen Körper, also haben wir unsere Grenzen. Sonst wären wir ein Geist, der durch Wände schweben kann. Naja, vielleicht sind wir das ja auch. Wie auch immer, Grenzen sind spannend und wir überwinden sie, indem wir uns mit ihnen anfreunden und aufhören, mit ihnen zu hadern. Grenzen sind eine Aufforderung zu Veränderung und Entwicklung. Ich halte mich gerne an das Motto: Ein Schritt mehr als bequem, ein Schritt weniger als weh tut. Wir können unser Bewusstsein für unseren Körper erweitern, z.B. für unsere Hände im Yoga-Hund, um sie wirklich vollständig nutzen zu können, ihr ganzes Potential zu entfalten. Wir können einzelne Körperstellen erforschen, bis wir spüren können, ja, hier wohnt meine Seele jetzt auch. Doch Entwicklung kann sich auch bedrohlich anfühlen. Manchmal sind schmerzhafte Informationen in einzelnen Körperregionen gespeichert. Deshalb sind Liebe und Nachsicht sehr wichtig. Oftmals biete ich zwei Varianten einer Übung an, eine leichtere und eine schwerere. Ich korrigiere Menschen deshalb mit viel Achtsamkeit und bleibe dabei mit den Menschen in Kontakt. Gerade habe ich das Buch “Trauma-Yoga” von David Emerson und Elizabeth Hopper gelesen, aus dem ich viele interessante Anregungen bekommen habe. Auch das fließt in meinen Umgang mit Männern und Frauen ein und bestätigt mich nochmal darin, wie wichtig es ist, respektvoll Grenzen zu sehen und zu respektieren. Nur so können sie sich erweitern.

3 schätze: Du unterrichtest Yoga ja im KaBeTÉ, in dem verschiedenste Leute mit ihrem Potential zusammenkommen und einen besonderen Ort in Bonn kreieren. Bitte erzähle doch noch ein wenig von dieser Zusammenarbeit.

Martina Naumann: Das KaBeTÉ ist ein lebendiger Ort für Kunst, Bewegung und Therapie in Bonn-Ramersdorf. Gegründet wurde das KaBeTÉ von Petra Marx-Kloß und ich selbst bin von Anfang an mit dabei. Wir alle haben einen menschenorientierten, respektvollen Ansatz in unserer Arbeit. Das Wohlergehen jedes Einzelnen ist uns besonders wichtig. Da wir unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Potentialen und Möglichkeiten/Methoden sind, können wir die Leute manchmal untereinander weiter vermitteln, insbesondere wenn man denkt, dass ein anderer Weg aktuell vielleicht geeigneter wäre.

3 schätze: Danke!

Infos über Vijnana Yoga findest Du hier.

Weitere Infos über die Webseite des KaBeTÉ oder unter martina.naumann@gmx.net

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2 Gedanken zu „Kurz-Interview: Martina Naumann im Gespräch mit Patrick Damschen

  1. Die neuen Yogakurse starten wieder ab dem 12. September. Insbesondere Freitagvormittag gibt es noch einige wenige Plätze.
    Lieber Patrick, Dir nochmal ganz herzlichen Dank für das angenehme Interview! Martina

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