Stille, Reduktion und Aufmerksamkeit – Ein Gespräch mit Florian Erb

Vor vielen Jahren durfte ich Florian Erb meinen Aikido Lehrer nennen, bevor wir uns  wieder aus den Augen verloren haben. Vor wenigen Wochen sind wir uns dann wieder  einmal begegnet und aus dem gegenseitigen Erzählen wurde schnell die Idee geboren, Florian´s neue Passion, das Sarod – und Tablaspielen, bei 3 schätze erfahrbar zu machen. Am 13.09.2019 lädt uns Florian Erb bei 3 schätze zu einem Ausflug in die klassische nordindische Musik (Sarod und Tabla) ein. Er wird uns eine   Gebrauchsanweisung zum Hören geben sowie die Schnittpunkte zur Meditation beleuchten. Doch zunächst ein kleines Interview…

3 schätze: Lieber Florian, ich freue mich über unser Wiedersehen. Erzähl doch mal, wie bist Du vom japanischen Aikido zur indischen Musik gekommen?

Florian Erb: Als ich 18 war, also die Zeit der Beatles, kaufte ich mir eine Sitar. Frau Paulus, die Besitzerin des Musikladens vermittelte mich an eine Inderin, die das Instrument unterrichtete. Das war ein Glück, ein Zufall. Alle anderen Aktivitäten traten für die nächsten 12 Jahre in den Hintergrund… Konservatorium und Fachhochschule für Kunst und Design in Köln. Erst 10 Jahre später hatte ich meine erste Begegnung mit Aikido, eine wunderbare Sache. Über 20 Jahre hatte ich mein Aikido Dojo. Das war eine schöne Zeit, aber die indische Musik blieb meine große Liebe.

3 schätze: Für viele Menschen ist die indische Musik manchmal ein undurchschaubares bzw. undurchhörbares Labyrinth aus Tönen, ohne Anfang und Ende. Du hast für den gemeinsamen Abend bei 3 schätze eine Anleitung (Hörhilfe) zum „richtigen“ Hören dieser Musik versprochen…

Florian Erb: Die akustischen Imissionswerte sind längst überschritten. Unsere Hörgewohnheiten sind stark strapaziert. Die klassische indische Musik bietet uns eine Chance, den Klang, den einzelnen Ton wieder zu entdecken. Das Labyrinth der Töne existiert mehr in unserer Musikkultur. Es ist wie beim Zazen… Stille, anhalten, Reduktion und Aufmerksamkeit.

Da jedes Musikstück (Raga) durch eine Reihe von Regeln begrenzt ist, aber 98 % improvisiert werden, hat der Künstler eine große schöpferische Freiheit und das Stück welches er oder sie gewählt hat ist ein 100% Fingerabdruck, der Befindlichkeit, der Atmosphäre. Jede Raga ist einem bestimmten Gefühlsmodus, einer Tages – oder Jahreszeit zugeordnet.
Ich horche in mich hinein und bin berührt… immer wieder, und das ist viel. Beim Hören muss man nichts anderes machen, nicht denken, nicht bewerten, nicht abschweifen.
Der Sinn des Hörens ist kostbar.

3 schätze: Die Sarod ist, neben der von Dir beschriebenen Sitar, das bekannteste und wichtigste Saiteninstrumente der klassischen nordindischen Musik. Kannst Du ein bischen zu diesem Instrument erzählen und warum es Dich so in seinen Bann gezogen hat?

Florian Erb: Mein Lehrer sagt, die Sitar ist – femal , die Sarod – male. Der Klang, die Spieltechnik und Manufaktur der Sarod ist bemerkenswert. Keine Bünde, ein Metallsteg, 25 Saiten, Stahl und Bronze, ein Klangkörper überspannt mit Ziegenhaut… alles Handarbeit, ein Unikat. Das Instrument wird aus abgelagertem Teak oder Tune Wood (Rosenholz) hergestellt. Man unterscheidet zwei Arten der Sarod; geprägt von zwei großen Künstlern – Amjad Ali Khan und Ali Akbar Khan. Auf dem bundlosen Metallsteg wird es mit den Fingernägeln gegriffen, die Saiten werden mit einem Plektrum aus Kokusnussholz angeschlagen. Erst seit ca. 90 Jahren existiert das Instrument wie heute. Maßgeblich ist ´Made in Germany` daran beteiligt, denn fast alle Saiten werden in Deutschland hergestellt.
Heute ist die Sarod ein Soloinstrument und wird in Nordindien gespielt. Man unterscheidet da, zwischen dem Südindischen – Karnatischem Musiksystem und dem Nordindischem – Hindustani System. Bollywood und Volksmusik ist dann nochmal eine ganz andere Geschichte.

Begleitet wird die Sarod von dem Tabla Paar. Die Tabla besteht aus zwei Klangkörpern, der großen Bayan, aus Metall und der kleineren Dayan aus Shishyam oder Mahagoni Holz. Auch hier wird als Fell (Puri) Ziegenhaut benutzt, welches sehr straff, mittels eines 11 Meter langen Bandes gespannt wird. Ist das Fell richtig gestimmt klingt die Dayan wie eine Glocke, die Bayan ist eine Oktave tiefer gestimmt. Jeder Schlag mit den Fingern hat eine phonetische Entsprechung, die man beim Üben rezitiert. Die Basis der indischen Rhythmen sind die Talas, die Zyklen von 16, 8, oder 7 Schlägen, in einem Zyklus. Das ist für uns sehr schwierig zu verfolgen. Wir kennen 4/4 oder den Walzer 3/4 Takt.

3 schätze: Kannst Du uns ein wenig über die Verbindung der indischen Musik und der
Spiritualität erzählen?

Florian Erb: In der Zeitachse unseres Lebens haben wir manchmal das Glück, mit etwas wunderbarem in Berührung zu kommen, in Resonanz zu treten. Das ist dann unser Ding, wir pflegen, entwickeln und lieben es. Diese Gefühl der Liebe und Zuwendung hat eine Entsprechung in unserem Körper… vielleicht das Herz oder die Körpermitte (Hara), wie man im Aikido sagt.

Ich glaube, das die indische Musik ein Vehikel ist (das große oder kleine Fahrzeug, Hinnayana, Mahayana) welches uns führt und uns hilft unser geistiges und physisches Potenzial zu einen. Sofort anzukommen im Leben, hier und jetzt. Den genau jetzt findet das Leben statt.
Sitze auf dem Zafu.
Höre die Töne und den Klang.
Schaue den Baum an.
Das alles ist nicht neu…

Ich denke gerne an das Gedicht von Rainer Maria Rilke.
Alles ist Eins..

… und eigentlich ist unser Leben ein Gefühl …

Sarod und Tabla mit Florian Erb

Termin: 13.09.2019, 19:00
Ort: 3 schätze, Heerstr. 167, 53111 Bonn
Infos: www.3-schaetze.de/sarod-und-tabla-mit-florian-erb

 

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