Stille in Bewegung – Ein Gespräch mit Julian Welzel

Anläßlich eines Meditationsworkshops „Stille in Bewegung – Die Qualitäten der Meditation entdecken“ habe ich mit Julian Welzel ein kleines Interview geführt. Viel Spass beim Lesen…

Patrick: Hallo Julian, ich freue mich, dass Du jetzt hier bei mir sitzt und wir ein kleines Gespräch für den Blog festhalten können.

Am 04.03.2018 wirst Du wieder einen Meditationsworkshop bei 3 schätze geben und das Witzige ist, dass Du ja hier im San Bo Dojo vor einigen Jahren mit der Sitzmeditation begonnen hast, ich erinnere mich noch gut. Was hat Dich damals zur Meditation gebracht?

Julian: Das ist wirklich wunderbar, dass ich nun bereits den zweiten Meditationsworkshop an diesem Ort gebe, wo damals alles angefangen hat. Wenn Du mir vor 8 Jahren gesagt hättest, dass ich heute mit Massage und Meditation arbeiten würde…das hätte ich Dir niemals geglaubt. (lacht)

Ich war damals nämlich in der Wissenschaft unterwegs, sehr verkopft und rational. Ich habe dann angefangen über den Buddhismus zu lesen – natürlich rein philosophisch. Das hat mich aber dahin geführt 2010 eine Veranstaltung des buddhistischen Mönches Thich Nhat Hanh in Köln zu besuchen und das war eine beeindruckende Erfahrung. Ich weiß noch, dass ich vollkommen gestresst, mit Bauchschmerzen und verspätet zu diesem Talk gehetzt bin. Da saßen bestimmt 2000 Leute und ich fand noch einen Platz in der letzten Reihe. Worüber Thay gesprochen hat, weiß ich gar nicht mehr, allerdings entspannte sich mein Körper in so massiver, tiefer und schneller Art und Weise und die inneren Empfindungen waren so wahnsinnig schön und neu, dass es meinem Verstand unheimlich wurde. Der konnte sich auf diese Phänomene keinen Reim machen… ein Mann sitzt 80 Meter entfernt, spricht und dann passiert sowas… ich war ganz schön durcheinander. Aber ich habe gewusst: Wow, das will ich auch lernen! Und habe am nächsten Tag angefangen nach Meditationszentren in Bonn zu suchen und dann im San Bo Dojo eine sehr nette Sangha gefunden. Dann bin ich erst wöchentlich, dann manchmal auch öfter zur Sitzmeditation gekommen und das Ganze ist ins Rollen gekommen.

Patrick: Wie ist es denn weiter gerollt?

Julian: Tja, zunächst gab es den Punkt, an dem ich entscheiden musste, ob ich mit der eingeschlagenen wissenschaftlichen Karriere weiter mache. Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt mit dem Herzen schon gar nicht mehr richtig dabei und mir war klar: Mit der Meditation geht es weiter! Ich bin dann in das Kloster Plumvillage von Thich Nhat Hanh gereist mit dem Gedanken dort für 5 Jahre Mönch zu werden. Ich habe am Winter-Retreat teilgenommen, eine alte buddhistische Tradition, bei der sich alle Mönche und Nonnen im Winter bzw. in der Regenzeit um Ihren Meister scharen um seinen Worten zu lauschen. Das war eine ganz tolle Erfahrung und Thich Nhat Hanh ein sehr weiser Lehrer. 3 Monate in solch einer geballten Energie der Achtsamkeit der Mönche und Nonnen zu verbringen war herzöffnend und sehr heilsam. Zugleich habe ich gemerkt, dass ich vielleicht doch nicht Mönch werden muss um Meditation zu vertiefen. Ich hatte das große Bedürfnis noch mehr auszuprobieren, mich umzuschauen und zugleich gab es da auch einige sehr starke Widersprüche im Lebensstil Mönch, mit dem was sich für mich meditativ und gut anfühlte.

Patrick: Na, und das sagst Du einem ordinierten Zen-Mönch! (lacht). Wie ging die Reise denn dann weiter und was hast Du dann alles ausprobiert?

Julian: Ich bin dann zunächst für 6 Monate nach Indien und dort von Meditationszentrum zu Meditationszentrum, von Ashram zu Ashram gereist. Die einzige Regel, die ich mir auferlegt hatte war: Du bleibst überall mindestens 5 Tage und danach entscheidest Du ob Du bleibst oder weiterziehst. So bin ich an Orten, wo ich das Gefühl hatte, dass etwas in Bewegung kam lange geblieben und an anderen, wo ich keine so tiefe Wahrheit gespürt habe, schneller wieder abgereist. Auf diese Weise habe ich viele spirituelle Schulen und Lehrer kennengelernt, von denen es in Indien ja eine große Bandbreite gibt. Egal ob die Anwendungen der ayurvedischen Tradition, die Übungen der Yogis, die Praxis von Hinduisten, Jainisten und Buddhisten. Und dann noch viele andere Gurus und spirituelle Lehrer wie z.B. Osho… diese Reise hat mich dann sogar von Indien noch weiter bis nach China und Thailand geführt mit Einblicken in den Daoismus und den Buddhismus. Später noch nach Südamerika mit der Verlockung schamanischer Weisheiten. Eigentlich hat mich damals alles interessiert, was irgendwie spirituell war oder mit Meditation zu tun hatte und ich bin dieser Neugierde gefolgt.

Patrick: Ich wollte gerade fragen: Welche Rolle hat bei all diesen Reisen die Meditation gespielt? Deine Reisen hören sich spannend aber auch ein bisschen aufreibend an…

Julian: Ja, da hast Du Recht. Es war eine sehr intensive Zeit mit tollen inneren und äußeren Erfahrungen aber auch ein bisschen rastlos und von außen betrachtet konfus. Das lässt sich allerdings rückblickend leicht sagen, denn mittendrin war es vielleicht erstmal nötig, sich ganz unbedarft und naiv umzugucken, zu experementieren. Wie ein Kind die Welt entdeckt, habe ich damals die Welt der Meditation und Spiritualität durchforstet und viele, viele Meditationstechniken ausprobiert. Hüpfen, schreien, lachen, Mantren chanten, Arbeitsmeditation, meditative Körperübungen und Therapien und vieles, vieles mehr… Es war sehr bunt.

Dieser Weg hat mich schließlich zur Körperarbeit – man könnte auch sagen: Achtsamer Berührung oder Meditativen Massagen – geführt. Ich habe in diesem Bereich, nach wundervollen Erfahrungen als Empfänger, eine Art Berufung gefunden und arbeite heute als selbstständiger Massagetherapeut im Rheinland. Und zweitens hat mich dieser Weg mit vielen Kurven und Kanten in Bezug auf die Meditation zu Shikha Dhyan in Indien geführt, dessen Klarheit, Tiefe und Egolosigkeit wirklich unglaublich sind. 5 Monate vor und mit einem solch klaren Spiegel zu verbringen, haben Vieles verändert, geklärt und geheilt. Spätestens seit dem weiß ich: Meditation ist der Weg nach Innen und kann sehr tief gehen.

Patrick: Nicht zuletzt macht dieser Erfahrungsschatz es möglich, dass Du Interessierte nun in die Qualitäten unterschiedlicher Meditationen einführen kannst. Warum ist also das Experementieren mit Meditation sinnvoll?

Julian: Auf diese Frage gibt es eine simplere und eine etwas umfassendere Antwort. Ganz pragmatisch kann man sagen: Wir Menschen sind unterschiedlich, es gibt viele verschiedene Persönlichkeiten. Beispielsweise ist der eine ein ruhigerer Typ, der andere hibbelliger und aktiver. Es ist unwahrscheinlich, dass der Weg nach Innen für beide an derselben Stelle beginnt. Jeder von uns startet von einem anderen Punkt aus und auch der Weg ist ein anderer. Deshalb ist es wichtig auszuprobieren, was in Dir Schwingung erzeugt, was etwas löst oder Dich eine meditative Qualität erfahren lässt. Und genau da geht es dann für Dich weiter.

Patrick: Und was gibt es dem nun noch hinzuzufügen?

Julian: Wenn man genauer hinschaut, ist Meditation der Pfad vom Festen, Derben, Schweren und Dunklen zum Feinstofflichen, Subtilen, Leichten und zum Licht. Mein Meister in Indien sagte immer: „Das Subtile wartet darauf, dass Du es reinlässt.“ Die Meditation kümmert sich um all unsere Wunden, Sorgen, Leiden, Verirrungen und Verwirrungen. Das Problem ist, dass wir das in der Regel nicht zulassen, wir blockieren, sind starr und abwehrend. Und selbst wenn wir es wollen und uns in Meditation üben, bedienen wir uns leider zumeist der Mechanismen, die wir zum begreifen, erfassen und kontrollieren der Außenwelt so erfolgreich verwenden. Das heißt konkret wir nehmen den Verstand mit in die Meditation: Ziele, Erwartungen, Wettbewerb, Konzentration, Fokussieren, Objektivität und viel Ego-Ich und Persönlichkeit – so wird und bleibt es eine Meditation des Verstandes. Mein Meister in Indien verglich diesen Zugriff auf Meditation immer scherzhaft mit dem Training des Kleinkindes, das lernt in welchen Topf es scheißen darf und wohin nicht. Ganz ähnlich versuchen wir Meditation zu „erlernen“ und verhindern sie genau damit.

Der Weg führt anstattdessen über das Fühlen und Spüren dahin, wo nicht mehr der Verstand in der Kontrolle ist, wo keine Persönlichkeit mehr existiert. Weil wir uns in Meditation relativ schnell bewusst werden, dass de facto in 99% der Zeit der Verstand in der Kontrolle ist, geht es zunächst darum den Spalt des verbleibenden 1% zu finden, um das Subtile wenigstens kurz am großen Verteidungswall vorbei hinein zu lassen. Nur so bekommen wir einen Geschmack vom Wunder der Meditation, erfahren eine meditative Qualität.

Das geschieht zum Beispiel, wenn man den Verstand verwirrt. Und der Verstand ist häufig dann verwirrt, wenn man experimentiert, etwas Unvorhersagbares und Neues tut. Meditation lässt sich nicht planen oder erzwingen – sie geschieht sehr oft in Momenten, wo man sie gar nicht erwartet, eben weil sie das Gegenteil von Erwartung ist. Deshalb ist das Wichtigste: Etwas Neues auszuprobieren. Oder etwas Bekanntes so zu tun, als habe man es noch nie gemacht.

Patrick: Im Zen nennen wir dies „mushotoku„, also mit einem Geist zu praktizieren, der nach nichts strebt, der keine Erwartung hat. Wenn Du von meditativen Qualitäten sprichst, die dann erfahrbar sind, was ist damit gemeint?

Julian: Gemeint sind damit verschiedene Facetten und Empfindungen, die wir in Meditation erleben können. Schlagworte wären sowas wie Loslassen, Offenheit oder Klarheit. Aber ich will gar nicht viel darüber sprechen, denn dann macht der Verstand das zum Ziel und die Leute kommen zur Sitzung oder zum Workshop und sagen: Das und das will ich erfahren! Und dann wird es garantiert nicht geschehen. Oder man verharrt im Drüber-Reden, dabei geht es doch ums Fühlen und Spüren, ums Erfahren. Es geht um die Pause zwischen den Worten, nicht um die Worte selbst. Deshalb: Nicht lange nachdenken und abwägen, einfach ausprobieren!

Patrick: Na, das ist doch ein schönes Schlusswort. Danke für das Gespräch!

Julian: Ich danke Dir!

Infos zum WorkshopStille in Bewegung – Die Qualitäten der Meditation entdecken“ findest Du hier

Infos zu Julian Welzel: www.julianwelzel.de

Kurz-Interview: Susanne Hiepel vom Studio 52 im Gespräch mit Patrick Damschen

Bereits 2006 gründete Susanne Hiepel das Studio 52 in der Bonner Südstadt. Drei Jahre später kam dann das Yoga Loft hinzu und Anfang 2010 ist dann Brigitte Mailänder mit eingestiegen. Nach fast 10 Jahren ist das Studio 52, mit 2 Standorten, eines der bekanntesten Bonner Yoga-Studios. Zeit für ein Interview…

3 schätze: Liebe Susanne, ich freue mich über die Gelegenheit, ein Interview mit Dir zu führen. Erzähl uns doch bitte zu Anfang einmal kurz etwas von Dir, wie bist Du z.B. zum Yoga gekommen und wie war Deine Entwicklung hin zur Eröffnung des Studio 52 im Jahr 2006?

Susanne Hiepel: Lieber Patrick, vielen Dank für diese schöne Gelegenheit. Tja, meine Entwicklung hin zur Eröffnung des Studio 52 hat, würde ich sagen, auf verschiedenen Ebenen stattgefunden.

Von Hause aus bin ich ja Diplom Heilpädagogin und beschäftige mich daher schon sehr  lange mit essentiellen Fragen zur gesunden und glücklichen Lebensführung, Fragen zu Konfliktbewältigung und friedvollem Umgang mit sich selbst und anderen, Fragen zur eigenen „Aufgabe“ in dieser Welt etc. Ich habe lange Zeit mit behinderten Menschen gearbeitet und war in diesem Job immer bemüht, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Manchmal denke ich: so viel anders ist das, was jetzt tue, gar nicht.Suse Meer
Denn Yoga zu unterrichten bedeutet für mich eben AUCH, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und ich glaube auch, dass ich damit der Beantwortung der Frage nach meinem Dharma ein Stück näher kommen kann – wenn man das je wirklich kann 😉

Neben meiner Arbeit mit Behinderten habe ich immer einen Ausgleich gesucht und schon während meines Studiums verschiedene Übungsleiter-Lizenzen erworben, um dann als Gymnastik-Lehrerin im Verein und beim DRK und an der VHS etc. unterrichten zu können. Irgendwann habe ich dort dann auch einen Kurs mit dem Titel „Body & Mind“ entwickelt, weil mir Kräftigen und Schwitzen – und sei es auf gesundheitsförderliche Weise – zu „flach“ wurde und ich gerne Geist und Seele und Atem mit in die Stunden einbeziehen wollte.

Darüber hinaus war ich auf der Suche. Vielleicht nach Ruhe, nach Gelassenheit, nach Sinnhaftigkeit, nach dem Sagen umwobenen „Inneren Frieden“, nach mir, vielleicht nach einem Weg, zufrieden mit mir und anderen durch’s Leben zu gehen, und dabei am besten auch noch andere „mitzunehmen“.

sitzecke abendIch hatte Yoga – als Asana-Praxis – während meines Studiums und auch später schon mehrfach ausprobiert, war aber zu dem Zeitpunkt glaube ich einfach noch nicht wirklich „reif“ dafür und habe auch nicht die Lehrerin oder den Lehrer gefunden, der mich für diesen Weg hätte begeistern können. Bis ich in Sri Lanka über mehrere Wochen sehr sehr intensiv eingestiegen bin in die tägliche Praxis mit einer Lehrerin, die zu mit „gepasst“ hat und zu dieser Zeit ist der berühmte Funke entflammt. Auch wenn sich das irgendwie pathetisch anhört fühlt es sich total stimmig an: ich habe über die Asana-Praxis ein Gefühl kennengelernt, das ich vorher nicht kannte, eine Seite an mir entdeckt, von der ich nichts wusste, Türen öffnen können, die mir vorher verschlossen waren und habe mich auf einer tiefen Ebene so wohl und zuhause in mir gefühlt wie selten zuvor in meinem Leben. Und mit diesem Erleben ging ziemlich zeitgleich der Gedanke einher: das möchte ich weitergeben, andere Menschen mitnehmen, das können bestimmt auch andere gut „gebrauchen“ 😉

In meinen Gymnastik-Kursen habe ich von da an mehr und mehr Asanas und andere Techniken aus dem Yoga eingebaut und hatte das Gefühl dass „meine Leute“ da geradezu drauf gewartet hatten.

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Nach meiner Yogalehrer-Ausbildung in Indien hat sich irgendwie alles gefügt und so leicht angefühlt: durch Zufall ist die Wohnung unter meiner Wohnung frei geworden. Zu diesem Zeitpunkt streckte ich gerade meine Fühler aus nach Räumlichkeiten zum unterrichten.

An einem sehr bewegten Wochenende im Sommer 2006 habe ich dann beschlossen, das Erdgeschoss zu mieten, um dort selbst nebenberuflich Yoga zu unterrichten und anderen, ganzheitlich orientierten Menschen, ebenfalls einen Raum zu geben für ihre Angebote. Von Anfang an wünschte ich mir, dass dieser Raum multiprofessionell genutzt würde, in einem guten Geist belebt wird auch von anderen. Und genau so ist es tatsächlich auch gekommen und dafür bin ich nach wie vor sehr dankbar.

erker studio abendDamit war das Studio 52 in der Lennéstrasse 52 in Bonn geboren. Ich habe dann zunächst weiter Teilzeit in meinem eigentlich Beruf gearbeitet und nebenberuflich Yoga unterrichtet, aber sehr bald gespürt, dass mein Herz an meiner neu gegründeten Schule hängt und mein ganzes „Herzblut“ in den Unterricht und die Organisation der Kurse floss und konnte meinem Beruf nicht mehr richtig gerecht werden. So habe ich im Sommer 2007 gekündigt und seitdem alle Energien ins Studio fließen lassen.

Als ich 2009 schwanger wurde habe ich sehr schnell erkannt, dass ich mir in der Organisation und Verwaltung der mittlerweile gewachsenen Schule Hilfe organisieren sollte und so sind Brigitte Mailänder und ich zusammen gekommen und sind es noch heute. Brigitte war ursprünglich Teilnehmerin in einem meiner Kurse und wir hatten irgendwie den gewissen „Draht“ und ich wusste, dass sie sich schon seit 20 Jahren sehr intensiv mit Yoga und Meditation beschäftigt hatte und so habe ich sie einfach angesprochen. Kurz vor der Geburt meiner Tochter ereignete sich dann wieder ein folgenschwerer „Zufall“  – ich glaube ja eigentlich NICHT an Zufälle 😉 – nämlich bin ich über Umwege auf die Räume im Annagraben (BN) aufmerksam geworden. Eigentlich stand zu diesem Zeitpunkt eine Vergrößerung überhaupt nicht an (ich war hochschwanger!!), aber das heutige Loft hat mich beim ersten Besuch überzeugt: dies ist ein wunderbarer Ort für Yoga!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm Rückblick finde ich das manchmal ganz schön verrückt, immerhin stand noch eine andere, viel wesentlichere Veränderung in meinem Leben an. Vielleicht war ich auch ein bisschen naiv, in jedem Falle voller Optimismus und Tatendrang und in einem guten Glauben, dass alles gut werden wird. Brigitte, mit der ich ja zu dieser Zeit schon 1/2 Jahr zusammen gearbeitet hatte, hat sich ebenfalls sofort in diese Räume im Annagraben verliebt und konnte sich vorstellen, „mitzumachen“. So haben wir uns zusammengetan und leiten seitdem das Studio 52 gemeinsam – mit 2 Schulen unter dem Studio 52 – Dach.

Suse und Brigitte

Eine sehr bewegte Zeit, alles in allem, wenn ich das alles nochmal Revue passieren lasse…. und ein großes Glück, hoffentlich nicht nur für uns, die diesen Ort geschaffen haben, sondern auch für viele viele andere, die ihn aufsuchen…

3 schätze: Gibt es so etwas wie Eure eigene Philosophie?

Susanne Hiepel: Als ich das Studio 52 gegründet habe, hatte ich oft den Eindruck, dass die verschiedenen Yoga-Schulen und Traditionen teilweise recht dogmatisch waren und sich jeweils anderen Schulen und Traditionen gegenüber ziemlich abgegrenzt haben. Da ich jegliche Art von Dogmatismus wirklich GAR nicht mag wollte ich von Anfang an eine „Offene“ Yoga-Schule in’s Leben bringen, also einen Ort, an dem es gerne verschiedene Stile und Traditionen geben darf. Yoga hat ja eigentlich wirklich nichts mit Trennung zu tun… jedenfalls war ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen ausserdem der Meinung, dass jeder Schüler die Möglichkeit haben sollte, den Yoga-Stil und den Yoga-Lehrer zu finden, der zu ihm/ihr passt.

Möglicherweise kannst Du mitbewegung-licht Ashtanga Yoga gar nichts anfangen, fühlst Dich aber im Kundalini-Yoga zuhause, die eine Lehrerin spricht Dich nicht an, während die andere Dein Herz berührt usw… Daher: warum nicht viele Stile und viele Lehrer unter unserem Dach? Der wunderbare Satz von Tiziano Terzani ist auch in dieser Hinsicht so wahr:

Ein Schritt in die richtige Richtung und alles Übrige ergibt sich von selbst„.

Wenn Du die Möglichkeit hast, die ein oder andere Richtung erstmal ein Stück zu gehen und auszuprobieren, wie sich das anfühlt, wirst Du wahrscheinlich an genau diesen Punkt kommen, zu spüren, was für Dich stimmig ist (was für einen anderen Schüler überhaupt nicht stimmig sein muss).

3 schätze: Mittlerweile habt Ihr ja einen wirklich grossen Pool an Yoga-Lehrer/innen im Studio 52 vereint. Mir fällt auf, dass auf Eurer Webseite fast ausschließlich Frauen Im Team aufgelistet sind. Ist das eine bewußte Entscheidung? Gibt es zu wenige qualifizierte Yoga-Lehrer?

Susanne Hiepel: Nein, das ist tatsächlich keine bewußte Entscheidung, im Gegenteil. Wir hatten zwischendurch immer wieder mal Yoga-Lehrer im Team, die aber aus diesen oder jenen Gründen wieder gegangen sind. Und echt: jedesmal, wenn wir einen qualifizierten Yoga-Lehrer gewonnen hatten waren wir ganz happy: yeah, endlich (wieder) ein Mann im Team! ;-).

yoga-loft-bannerOb es „zu wenig“ qualifizierte Yoga-Lehrer gibt kann ich nicht sagen. Aber so wie IN den Kursen sieht es wahrscheinlich auch in den Yoga-Lehrer-Ausbildungen aus: die Männer sind leider immer noch in der absoluten Minderheit, was mich ehrlich immer wieder wundert, denn Yoga hat sooooo viel zu bieten…. warum Frauen ganz offenbar empfänglicher dafür sind, das zu erkennen, als Männer ist mir nach wie vor ein Rätsel. Also: wenn Du das liest und Yoga-Lehrer bist und gerne bei uns unterrichten möchtest: bitte melden!!! 😉

3 schätze: Wie sucht Ihr die Leute aus und welche Yoga-Stile deckt Ihr damit ab?

Susanne Hiepel: Bei uns findest Du klassische Hatha-Yoga-Kurse ebenso wie Ashtanga Yoga, Vinyasa Yoga, Yin-Yoga und Hormon-Yoga. Als einzige Schule in Bonn haben wir seit geraumer Zeit auch Anusara Yoga im Programm, was mir besonders am Herzen liegt. Ausserdem mehrmals die Woche Schwangeren-Yoga und Rückbildungs-Yoga (Mama-Yoga und Baby-Yoga genannt), Kinder-Yoga und Yoga Sanft und Still. Yoga Sanft und Still, Yin-Yoga sowie Einzelunterrichte sind vor allem Brigitte´s Schwerpunkte. Sie beschäftigt sich ja seit jeher mit Techniken aus der Meditation und Achtsamkeitspraxis und es ist wunderbar, dass sie in diesen Kursen ihre Erfahrung und ihr Einfühlungsvermögen und ihre sehr achtsame Art zu unterrichten „ausleben“ kann ;-). Außerdem finden regelmäßig Workshops statt, in denen Du als Schüler noch tiefer in die Praxis eintauchen kannst und offene Meditations-Abende…

yoga-im-studioLehrer, die auf freiberuflicher Basis bei uns unterrichten möchten, kommen immer erstmal zu einem persönlichen Kennenlernen vorbei. Manchmal spürt man direkt, ob man zusammen „passt“ oder nicht. Wenn wir dann beidseitig das Gefühl haben, dass es passen könnte laden wir die Lehrerin zu einer Art „Lehrprobe“ ein, in der sie exemplarisch zeigen kann, was ihren persönlichen Stil und auch ihre Qualifikation ausmacht. Wir haben, glaube ich, einen ziemlich hohen Standard, weil wir so viele so tolle und wirklich gut ausgebildete Lehrer im Team haben… der Anspruch ist auch durch mein eigenes Praktizieren und Lehren des genaue Alignements von  Anusara Yoga schon sehr gestiegen… Wir stellen schon relativ hohe Erwartungen an neue Lehrer. Wobei natürlich die Ausbildung eine Rolle spielt, die sie gemacht haben, vor allem aber ist es uns wirklich ein Anliegen, dass jeder Lehrer seinen eigenen, persönlichen Stil hat und bei uns entfalten darf, immer auf der Basis natürlich, dass der Unterricht sinnhaft ist.

3 schätze: Welchen Yoga-Stil unterrichtest Du selbst?

Susanne Hiepel: Ursprünglich komme ich aus dem traditionellen Hatha Yoga nach Swami Sivananda. Aber davon habe ich mich mittlerweile sehr weit entfernt. Ich habe im Winter 2013/2014 meine Anusara-Yogalehrer-Ausbildung abgeschlossen und unterrichte seitdem überwiegend diesen anatomisch sehr genauen und sehr Herz betonten und tantrisch geprägten Stil, der mich vom ersten Augenblick an sowohl auf der körperlichen, als auch auf der mentalen und emotionalen Ebene total überzeugt hat. Ich fühle mich in dieser Praxis zuhause und irgendwie „angekommen“ und zugleich ist da noch so viel zu entdecken und zu lernen … das ist sehr inspirierend!! 😉

yogaloft

3 schätze: Welcher Lehrer hat Dich am meisten geprägt?

Susanne Hiepel: Mein Anusara-Yogalehrer, Jayendra Hanley, dessen ruhige, präzise, sanftmütige und meditative Lehre mich immer wieder beglückt. Ausserdem meine „permanente“ Lehrerin Nicole Konrad vom Open Lotus Studio in Köln, zu der ich regelmäßig in den Unterricht gehe und die – genau wie ich – „Anusara inspired“ ist, diesen Weg aber schon eine Weile länger beschreitet…

3 schätze: Wenn man sich Eure Kurspläne und die Webseite anschaut, bietet sich einem eine reiche Palette an Yoga-Kursen sowie Workshops und anderweitigen Angeboten. Neben Meditation finden ja u.a. regelmäßig freitags 14-tägig die Tanz Orange Abende, d.h. 5 Rhythmen mit Julia und Soulwave mit Heike und Rafael statt, zu denen ich persönlich immer wieder gerne gehe 🙂

Susanne Hiepel: Ja und ausserdem noch ganz viele andere tolle Sachen: Contact Improvisation und Contact Jam, Gong-Seminare, LISHI (eine traditionelle chinesische Bewegungskunst), NIA (Neuromuskuläre Integrative Aktion oder auch: getanzte Lebensfreude), Afro-Dance, und natürlich nicht zu vergessen: unsere Anusara-Yoga-Immersion mit Jayendra Hanley, die zum Herbst 2015 in die 2.Runde geht. Wer tief in die Anusara-Philosophie und Praxis eintauchen möchte ist hier genau richtig. Wer eine Anusara-Yoga-Lehrer-Ausbildung machen möchte, für den ist dies der 1.Schritt. Wir planen für Frühjahr 2016 ein Anusara Yoga Teacher Training.

Studio52-Sommerfest3 schätze: Ab Oktober wird es im Studio 52 außerdem das Angebot von Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) – „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ Kursen geben. Kannst Du zu diesem Angebot auch noch etwas erzählen?

Susanne Hiepel: Ja, Brigitte Mailänder wird im Winter ihre MBSR-Ausbildung beenden und ich finde es ganz toll, dass sie dann unser Programm mit Achtsamkeitstraining bereichern wird! Die positive Wirksamkeit von MBSR von Jon Kabat-Zinn ist seit Jahren wissenschaftlich anerkannt und kann helfen, den Herausforderungen des Lebens auf achtsame Weise zu begegnen. Jon Kabat-Zinn ist „von Hause aus“ Arzt und Mikrobiologe und hat im MBSR die Methoden von Meditation mit Erkenntnissen aus Medizin, Psychologie und Stressforschung verknüpft und daraus ein Programm entwickelt. Mich berühren seine Artikel, Bücher und Vorträge immer wieder sehr und ich binde Ideen aus der Achtsamkeitspraxis immer wieder auch in meinen Yoga-Unterricht ein.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA3 schätze: Seit vielen Jahren bietest Du auch immer wieder Yoga-Reisen nach Andalusien an? Das diesjährige Yoga-Seminar an der Costa de la Luz findet in der Woche vom 14.11. – 21.11.2015 statt. Anmeldeschluss ist der 31.07.2015. Sind denn derzeit noch Plätze frei?

Susanne Hiepel: Ja, es sind noch Plätze frei und ich freue mich natürlich über Anfragen 😉
Für nächstes Jahr plane ich eine Yoga-Reise nach Portugal, wahrscheinlich im Mai und wahrscheinlich zusammen mit einer Kollegin…

3 schätze: Was bedeutet Yoga für Dich (in einem Wort)?

Susanne Hiepel: Heilung

3 schätze: Danke für das Interview…

Susanne Hiepel: Vielen Dank, lieber Patrick!

Das Studio 52 findet Ihr in zwei Bonner Stadtteilen:

STUDIO in der Südstadt
Lennéstrasse 52
53113 Bonn

LOFT in der Altstadt
Annagraben 49
53111 Bonn

Weitere Infos unter: www.studio-52.de

Ganzheitliches Gesundheitsmanagement – Edith Bayer im Gespräch mit Patrick Damschen

Wie der Körper des Menschen, so ist der Körper der Erde. Wie der Geist des Menschen, so ist der Geist der Erde. Wie der Mikrokosmos, so ist der Makrokosmos. Wie das Atom, so ist das Universum.“ (Ayurvedische Lehre)

In schöner Regelmäßigkeit bietet Edith Bayer ihre Yoga Nidra und Sat Nam Rasayan Abende bei 3 schätze an. Zeit für ein Interview…

3 schätze: Liebe Edith, ich freue mich, dass wir nun endlich auch mal ein gemeinsames Interview führen, denn Du bist ja schon seit einiger Zeit in der Yoga Szene unterwegs und mit Deinen Angeboten auch immer wieder bei 3 schätze aktiv.

Magst Du zu Anfang einfach ein paar Worte über Dich verlieren? Wer bist Du? Seit wann praktizierst Du Yoga? Welche Lehrer haben Dich beeinflusst?

Edith Bayer: Guten Tag, lieber Patrick, ich bin auch sehr erfreut darüber, heute dieses Gespräch mit Dir zu führen.

Im Mai 1999 kam ich in meine Wahl-Heimat Bonn; aufgewachsen bin ich im Rhein-Main-Gebiet. Nach einer Ausbildung und einem Biologie-Studium in Marburg habe ich zunächst einige Zeit im organisatorischen Bereich gearbeitet, u.a. im Ausstellungsbüro der Marburger Umweltausstellung und dann später in der  Regionalentwicklung/Dorferneuerung. Zum Yoga und zu meiner Berufung als Yoga-Lehrerin bin ich erst in der eher 2. Lebenshälfte gekommen.

Als roter Faden zieht sich jedoch durch mein Leben auch die Tätigkeit im pädagogischen Bereich; schon während meiner Gymnasialzeit erteilte ich Nachhilfe-Unterricht, und später tat ich dies parallel zu Teilzeit-Beschäftigungen.

Ich bin ein Mensch, der die Vielfalt und Abwechslung liebt, vor allem in der Arbeit, und ich bin jemand, die eher die Gemeinsamkeiten und das Verbindende sucht und sieht (zwischen Weltanschauungen, Religionen, Menschen) als das Trennende.

Das Universum hat uns das Leben geschenkt und das Beste, was wir tun können, ist, das Leben zu lieben und glücklich zu werden. Im Kundalini-Yoga entfalten wir unsere schlafende Energie, um ein erfülltes, intuitives und vortreffliches Leben zu führen in einer normalen Lebenssituation, als Teil dieser Welt.“ (Yogi Bhajan)

Die Besteigung eines Vulkans auf Bali war für mich das Tor zum Kundalini Yoga: einer Eingebung folgend, die ich auf dem Gipfel des Berges hatte, saß ich schon kurz nach meiner Rückkehr aus Asien in meiner ersten Kursstunde und spürte auf Anhieb:

„Das ist Kundalinimein Ding!“ Das war 1993, und bereits 1994 begann ich die Ausbildung zur Kundalini Yoga-Lehrerin. Bis heute hat die Begeisterung für diesen Yoga-Weg nicht nachgelassen. Beeinflussst hat mich natürlich vor allem Yogi Bhajan, der den Kundalini Yoga in den Westen brachte und den ich glücklicherweise noch einige Jahre lang erleben durfte (er starb im Jahr 2004). Unter seinen Schülern, also die 1. Lehrer-Generation im Westen gab es einige, von denen ich viel gelernt habe und die mich inspirierten, u.a. Karta Singh aus Frankreich und Satya Singh, der in Deutschland in der Lehrer-Ausbildung tätig ist.

Besonders inspiriert hat mich Dr. Daya Mullins, Gründerin und Leiterin des  gemeinnützigen Vereins „WEG DER MITTE“ für ganzheitliche Gesundheit, Bildung und Soziales sowie des Europäischen College für Yoga und Therapie. An diesem Institut habe ich meine Fachfortbildung „Yoga für Gesundheit und Heilung/Yoga-Therapie“ gemacht. Im Rahmen des dort gelehrten „Benefit Yoga“ habe ich gelernt, dass auch für Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen und Handikaps der Yoga ein unglaublich effektiver und wertvoller Weg ist, um die Lebensqualität zu verbessern. Und andererseits sollten wir uns immer, bei allem was wir tun, fragen, was genau unsere Motivation dahinter ist.

3 schätze: Wenn man Deine Webseite aufruft, erwartet einen zunächst mal ein, ich würde sagen, für den Yogabereich etwas untypischer, eher schlichter Auftritt. Du nennst Deine Arbeit Ganzheitliches Gesundheitsmanagement und bietest Seminare, Beratung und  Begleitung an.

Was beinhaltet für Dich ein Ganzheitliches Gesundheitsmanagement und auf welchen Grundlagen baust Du auf?

Edith Bayer: Unter Gesundheit in einem ganzheitlichen Sinne verstehe ich die Balance zwischen körperlichen, seelischen, emotionalen, sozialen und geistigen Komponenten. Gesundheit ist Flexibilität – die Kraft, Veränderungen erfolgreich zu meistern.

Unter Ganzheitlichem Gesundheitsmanagement verstehe ich die Synthese all jener Elemente und Methoden, die dazu geeignet sind, diese Balance (wieder)herzustellen und idealerweise von Moment zu Moment weiter zu transportieren, also ein dynamisches Gleichgewicht zu halten, sowohl auf der Ebene des einzelnen Menschen als auch der von Gruppen. Wenn das gelingt, fühlen wir uns im Leben gut aufgehoben und im Fluss mit ihm. Wir verbrauchen keine Energie für Widerstände und zum ständigen „Gegensteuern“.

Die ganze Kunst der Meditation ist die Kunst, dich zu erinnern, wer du bist.“ (Osho)

3 schätze: Wenn man sich die Stationen Deines bisherigen Lebensweges anschaut, erkennt man Dein Interesse an den östlichen Weisheitslehren einerseits und den westlichen Wissenschaften andererseits.

Edith Bayer: Genauso ist es. Schon während meiner Schulzeit las ich viel über PSI, die Welt-Religionen, sprach mit meinem Religions-Philosophie-Lehrer über die „Sinnfragen des Lebens“. Mit 18 Jahren begann mein Interesse an Psychologie; ich las Bücher von Wilhelm Reich, Freud, Jung, u.a. Ich studierte „neigungsorientiert“ Biologie und setzte die Schwerpunkte, die mich wirklich interessierten (z.B. Verhaltensphysiologie, Psychologie,
Physik).

Letztendlich wurde mir jedoch klar, dass eine Laufbahn als Naturwissenschaftlerin unter den gegebenen Bedingungen nicht mein Weg war. Spannend fand und finde ich interdisziplinäre Wissenschaften und die Quantenphysik. Soweit ich mich zurück erinnern kann, gab es immer eine starke Faszination des Fernöstlichen: Land und Leute, Meditation, Weltanschauung, spirituelle Disziplinen.

Ich begann mit Karate (Shotokan) im Rahmen des Hochschulsports und praktizierte das 7 Jahren lang. 1981 folgte ich meiner Sehnsucht und betrat mit einer Reise nach Sri Lanka erstmals außereuropäischen Boden. Es war wie heimkommen. Weitere Reisen führten mich nach Thailand, Bali und Indien. Allerdings sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis ich auch beruflich in die „fernöstliche Richtung“ ging.

Diagramm-Chakra-Kundalini3 schätze: War Dir damals schon klar, dass Du Yoga und anderen Gesundheits-Angeboten mal Deinen Lebensunterhalt verdienen würdest?

Edith Bayer: Nein, am Anfang stand zunächst ein einziger fortlaufender Kurs, mit dem ich unmittelbar nach Abschluss meiner Yoga-Lehrerausbildung 1995 startete. Als sich abzeichnete, dass Yoga mehr sein würde als eine rein nebenberufliche Beschäftigung, fügten sich nach und nachweitere Gesundheitselemente wie in einem Mosaik zusammen. Ich bin ein Mensch, der eher Signalen und Impulsen als selbst gesetzten Zielen folgt, habe also eine eher rezeptive Haltung dem Leben gegenüber. Oft erlebte ich, dass die „Synchronizität der Ereignisse“ die Regie in meinem Leben bestens übernahm und lernte, dem zunehmend zu vertrauen, auch wenn es meinem Verstand manchmal zu lange dauerte.

Mit meinem Angebot verschiedener Methoden können Klienten gemäß ihren Bedürfnissen und individuellen Gegebenheiten auf verschiedenen Ebenen ihre Anliegen und Themen angehen. Welches zu einem Zeitpunkt X die jeweils am besten geeignete Methode für den Menschen ist, wird in einem Gespräch zu Beginn der Zusammenarbeit mit den Klienten geklärt. Ich habe diesbezüglich kein Konzept und folge hier den Eingebungen des Moments. Es gibt Menschen, die mit einer sehr konkreten Vorstellung zu mir kommen, z.B. Yoga-Einzelunterricht wünschen, aber – und das ist mehrheitlich der Fall – es kommen auch welche, die sich neu orientieren wollen oder müssen. Da ich selbst sehr intensiv diese Phase in einer „Lebenskrise“ durchlaufen habe, verfüge ich hier sicherlich über eine gewisse Kompetenz und kann dadurch meinen Klienten hilfreich zur Seite  stehen und sie begleiten.

3 schätze: Du bietest ein wirklich vielfältiges Angebot, sowohl fortlaufender Kurse als auch Einzelsitzungen in Kundalini Yoga, Sat Nam Rasayan, Meditation, Ressourcenorientierter Körperarbeit, Kieferbalancierung, Chakra-Diagnose und -Harmonisierung, Yoga Nidra, Reiki, Voice Dialogue sowie Yogische/Spirituelle Lebensberatung an.

Auf alle Angebote im Einzelnen einzugehen, würde wahrscheinlich den Rahmen dieses Interviews sprengen. Daher hier der Hinweis, einfach mal auf Deiner Homepage unter „Einzelsitzungen in …“ nachzulesen.

Sat Nam Rasayan

Gleichzeitig würde ich gerne noch etwas über die Praxis des Sat Nam Rasayan wissen. Unter der Überschrift „After Work Healing“ finden ja regelmäßig Deine Sat Nam Rasayan Heilabende bei 3 schätze statt. Kannst Du uns bitte dazu noch ein wenig erzählen?

sat-nam-rasayan-logoEdith Bayer: Sat Nam Rasayan (SNR) – wörtlich „tiefe Entspannung im Namen des Göttlichen“ oder „Fließen der Seele“ – ist eine meditative Heilkunst aus der Tradition des Kundalini Yoga.

Allein durch Aufmerksamkeit im meditativen Bewusstsein ist es möglich, die Elemente, Meridiane, Chakren, Muskeln und Gelenke, Organe, aber auch psychische Zustände zu balancieren und zu verändern. Dadurch kann Heilung eintreten. Dies ist auch geeignet, andere therapeutische Methoden zu ergänzen und zu vertiefen.

3 schätze: Wie genau funktioniert das?

Edith Bayer: Die Kunst des Sat Nam Rasayan besteht im Nicht-Tun: Nicht-Konzentrieren, Nicht-Eingreifen, Annehmen und Zulassen jeglicher Empfindungen und Gefühle auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene. Im Sat Nam Rasayan arbeiten wir in einem Zustand tiefer Präsenz und Neutralität mit dem, was erfahrbar ist. Als Quelle der Wahrnehmung nutzen wir unsere sensitiven Eindrücke.

Die HeilerInnen bleiben neutral, dass bedeutet, alles anzunehmen ohne Vorurteil oder Intoleranz. Es gibt viele Wege, in diesen Bewusstseinszustand zu gelangen. Ein Aspekt ist das bewusste Wahrnehmen aller Empfindungen und zwar aller Empfindungen gleichzeitig und gleichgewichtig. Das heißt: Der Heiler konzentriert sich nicht auf irgend etwas, sondern spürt, bleibt aufmerksam und lässt alles geschehen, was geschehen möchte.

sat-nam-blueteSat Nam Rasayan arbeitet ohne Hilfsmittel wie Medikamente oder Nadeln, nur mit reiner Aufmerksamkeit, in völligem Gewahrsein des Augenblicks. Bei einer SNR-Behandlung verbindet sich der Heiler mit dem, was er hier und jetzt fühlt. Er nutzt die Empfindungen, die das „Objekt“ der Heilung in ihm auslöst; sein Körper drückt nun die Beziehung zum Patienten bzw. zu dessen Krankheit aus. Wenn im Laufe der Behandlung Gedanken und Empfindungen von Begrenztheit auftreten oder solche, die den Heiler zur Konzentration verleiten, werden diese als Widerstände erkannt und zugelassen. Statt sie abzuweisen, wird ihnen Raum gegeben, indem sie als eine weitere Gefühlswahrnehmung in den Prozess der Heilung miteinbezogen und dadurch aufgelöst werden.

Die Heilung geschieht nur durch die Bewegung der Aufmerksamkeit und findet statt im sog. „heiligen Raum“, im grenzenlosen Raum, in dem es keine Trennung gibt zwischen dem individuellen und dem kosmischen Bewussstsein, in dem das Bewusstsein der Heilerin und das des Klienten eins sind. Insofern gibt es für die Wirkung von SNR auch keine Grenzen.

3 schätze: Wie wirkt eine solche Behandlung auf den Klienten?

Edith Bayer: Generell wirkt eine Sat Nam Rasayan Einzelsitzung ausgleichend und entspannend. Sie hat eine wohltuende, regenerative Wirkung und schafft ein klares und stabiles Bewusstsein. Der Klient selbst muss nichts tun, sondern liegt bequem auf einer Unterlage oder Liege. In der Tiefenentspannung balancieren sich die Körpersysteme aus. Sie kommen zur Ruhe und die eigenen Gesundungskräfte beginnen zu fließen.
Eine Sat Nam Rasayan Anwendung kann unterstützend bei der Entwicklung eines stärkeren Bewusstseins, Intuition, Kreativität und Lebensfreude sein.

Weiterhin ist eine Sat Nam Rasayan Anwendung hilfreich bei …
•    physischen, emotionalen und spirituellen Problemen
•    akuten und chronischen Erkrankungen
•    beruflichem und privatem Stress

In einer Kurzanwendung, wie sie an einem Heilabend „After Work Healing“ gegeben werden, kann man die wohltuende, entspannende Wirkung erfahren.

IMG_1488Ressourcenorientierte Körperarbeit mit Yoga

Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“ (Christian Morgenstern)

3 schätze: Auf Deiner Webseite schreibst Du, dass die Haltung des Körpers, die sichtbar gemachte Haltung des Geistes ist. Als Unterstützung für die physiologischen Körpersysteme und wie diese durch Gedanken und Emotionen beeinflusst werden bzw. diese beeinflussen, bietest Du Ressourcenorientierte Körperarbeit mit Yoga an. Was verstehst Du genau darunter und für wen ist dieses Angebot geeignet?

Edith Bayer: Die Aussage stammt nicht von mir, sondern ist Ansatz der sog. „Yoga-Therapie“. Sie bedeutet, dass man anhand der Körperhaltung bestimmte Erfahrungen eines Menschen ablesen kann. Um einmal ein einfaches Beispiel zu geben: Wenn ein Mensch in seinem Leben, vor allem als Kind und Jugendlicher, immer wieder mit einem bestimmten Stress, z.B. Angst hervorrufenden Situationen konfrontiert war, kann er darauf z.B. mit Flucht oder Angriff reagiert haben. Wenn dieses „Reaktionsmuster“ sehr oft abgelaufen ist, wird sich das im Körper abbilden, in der Art, dass bei einem versuchten Ausweichen (Flucht) vor der Situation, die in der Realität aber meist nicht stattfinden konnte, eine Rotation des Oberkörpers die Folge sein wird. Oder man erstarrt „wie das Kaninchen vor der Schlange“ und versucht, sich abzupanzern – auch dies würde sich im Körper „lesbar“ widerspiegeln. Die Erfahrungen und die erfolgten Reaktionen sind im Zell-Gedächtnis gespeichert. Man kann diese Muster ändern, indem man dem Körper-Geist-System immer wieder heilsame Impulse gibt und auf der mentalen Ebene. Jeder Organismus strebt nach Vollständigkeit und Ganzheit. Die Wege dorthin sind so verschieden wie Menschen es sind. Die individuellen Ressourcen eines Menschen, also seine inneren Kraftquellen, bieten Unterstützug auf seinem Weg zur Heilung. Humor beispielsweise ist eine sehr große und starke Ressource. In den Einzelsitzungen versuche ich gemeinsam mit dem Klienten, den Zugang zu seinen Ressourcen herzustellen.

Letztendlich spielt auch hier – wie bei der yogischen Heilkunst Sat Nam Rasayan – eine große Rolle, dass es die uns alle innewohnenden (Heil-)Kräfte sind, die wirken und die uns zurückführen wollen und können zu vollständiger Gesundheit und Ganzheit. Die Heiler und Therapeuten sind dabei nur Katalysatoren des Heil-Prozesses und Wegbegleiter.

Was wir uns im Leben am meisten wünschen, ist jemand, der uns hilft, das zu tun, was wir können.“ (Ralph Waldo Emerson)

Geeignet ist die Ressourcenorientierte Körperarbeit grundsätzlich für alle Menschen,
die einen Weg aus Stress und Anspannung suchen, mit Müdigkeits- oder Burn-out-Syndrom,  die tiefe Entspannung erleben und ihrem Körper etwas Gutes tun möchten, die mehr Kontakt zu ihren inneren Kraftquellen bekommen wollen, die zusätzliche Unterstützung zu medizinischer und/oder psychotherapeutischer Behandlung wünschen, z.B. in Phasen der Neuorientierung, Trauer etc.

3 schätze: Herzlichen Dank für dieses Interview.

Edith Bayer: Danke…

3 schätze: Der nächste Heilabend mit Sat Nam Rasayan findet übrigens am 29.05.2015 bei 3 schätze statt.

Am 26.06.2015 heißt es dann wieder „Entspannt ins Wochenende mit Meditation und Yoga Nidra„.

Der Abend beginnt mit einigen Übungen zur Lockerung der Wirbelsäule, um den Körper auf die anschließende Meditation vorzubereiten. Meditation wirkt ausbalancierend auf das Gehirn, Hormon- und Nervensystem und führt so zu Entspannung und Stressabbau.

Beim Yoga Nidra, auch bewusster Schlaf genannt, befinden wir uns in einem Bewusstseinszustand, in dem wir uns auf der Grenzlinie zwischen äußerer und innerer Welt befinden, nicht ganz wach, aber auch nicht im unbewussten Schlaf. In diesem kraftvollen Zustand erfahren wir körperliche Ruhe, emotionalen Frieden, mentale Klarheit. Der Geist wird frei von Ängsten und ungewollten Abhängigkeiten. Bei der Übung, die im Liegen ausgeführt wird (Dauer ca. 50 Min.), werden die Wahrnehnumg und das Bewusst-sein achtsam gelenkt: in verschiedene Körperbereiche, zum Atem, zu inneren Bildern u.a. Yoga Nidra wirkt jeder Art von Stress entgegen.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Weitere Infos und Anmeldungen über 3 schätze oder direkt bei Edith Bayer.

 

Edith Bayer – Ganzheitliches Gesundheitsmanagement
Elsa-Brandström-Str. 25 | 53225 Bonn | Tel. 0228-97 64 643

www.ganzheitliches-gesundheitsmanagement.de

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