„Wir müssen Dogen wieder mehr in unsere Mitte holen“

Vom 25.04. bis 27.04.2014 war der Zen-Meister Christoph Rei Ho Hatlapa in Bonn zu Gast, um im 3 schätze Laden einen öffentlichen Vortrag zu halten und im Anschluss ein Sesshin im San Bo Dojo zu leiten. Christoph Rei Ho Hatlapa ist Zen-Lehrer in der Rinzai-Tradition und leitet die Zenübung in der Choka Sangha im Lebensgarten Steyerberg. Von Oi Saidan Roshi erhielt er 1993 die Dharma-Übertragung und wurde im Jahr 2000 mit der Repräsentation dieser Traditionslinie in Deutschland beauftragt. Des Weiteren gehört er zu den Pionieren der Mediationsbewegung in Deutschland, ist Gründungsmitglied des heutigen Bundesverbandes Mediation (BM) sowie Mitgründer der Schule für Verständigung und Mediation und des Zentrums für Gewaltfreie Kommunikation in Steyerberg.

So stand auch das Wochenende in Bonn im Zeichen der Rechten Rede und des mitfühlenden Zuhörens. Schon der Vortrag am Freitag Abend, zu dem etwa 30 Personen erschienen waren, lies die entspannte Atmosphäre aus herzlichem Zen-Geist und Humor erahnen, die auch das folgende Sesshin prägen sollte. In den folgenden eineinhalb Tagen praktizierten alle Teilnehmenden wirklich Sesshin und der Herz-Geist wurde berührt. Um sowohl Elemente aus dem Rinzai Zen als auch dem üblicherweise im San Bo Dojo praktizierten Soto Zen aufzugreifen, fand im Vorfeld ein reger Austausch zwischen Schülern aus dem San Bo Dojo und der Choka Sangha statt, in dem die verschiedenen Form-Elemente und Rituale beider Schulen erörtert wurden. Praktiziert wurde eine Form aus Zazen, KinHin, Rezitation, Sarei (Tee trinken) und Dokusan. Da zeitweise zur Wand und zeitweise zur Raummitte gesessen wurde, konnten die Teilnehmenden sehr direkt die unterschiedliche Wirkung des Zazen im Dojo erfahren. Während des Sesshin ging das Interesse der Teilnehmenden immer wieder zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der jeweiligen Tradition/Schule. In der späteren Reflexion wurde z.B. von der spürbar zueinander fließenden Herzenergie beim Sitzen zur Raummitte in der Form des Rinzai gesprochen. Ein Sich-Ausliefern, das Sterben des Egos wurde bei der zur Wand gewandten Form des Soto erfahren.

Als Zen-Lehrer, Mediator und Trainer für Gewaltfreie Kommunikation stellte Christoph Rei Ho Hatlapa das Kapitel AIGO aus dem Shobogenzo von Meister Dogen Zenji und die Figur der Kannon (Avalokiteshvara) in den Mittelpunkt seines Teishos. Kannon erfuhr Erleuchtung, indem sie allem lauschte, dem Ozean, dem Regen, den Bäumen. Mit einem offenen Herzen nach innen hörend, so Christoph Rei Ho Hatlapa, üben wir beim Praktizieren von Zazen.

Christoph Rei Ho Hatlapa wies ausdrücklich darauf hin, sich auf die Unterweisung von Dogen, als einen der größten Zen-Meister aller Zeiten zu stützen, der seiner Meinung nach bedauerlicherweise selbst unter seinen Anhängern zu wenig gelesen würde. Die „Freundliche Rede“, wie sie Dogen beschreibt, gilt neben der Großzügigkeit (auch eines der sechs Paramita), den nützlichen Taten und der Zusammenarbeit, zu den vier allumfassenden Methoden des Bodhisattvas. Dogen verweist uns hier auf vier Arten von Weisheit, die wir in unserem täglichen Leben als Möglichkeit praktizieren können, unsere Gelübde als Bodhisattvas zu verwirklichen und beschreibt, das die freundliche Rede die Kraft habe, das Schicksal ganzer Nationen zum Guten zu wenden.

In der anschließenden Fragerunde kam u.a bei den Soto-Schülern, die ja in der Regel nicht mit Koans arbeiten, die Frage auf, ob Hatlapa seine Schüler durch die Koan-Arbeit zur Erleuchtung führe. „Sicherlich pusht die Koan-Arbeit so manchen Schüler, weil er vorankommen will. Dem ganzen Thema Erleuchtung wird aber viel zu viel Bedeutung gegeben, ob Rinzai oder Soto. Sicherlich ist dies eine eindrückliche, tiefe Erfahrung. Aber danach ist ist das Leben nicht einfach und klar und schön. Im Gegenteil, dann geht es erst richtig los. Wir dringen dann eben einfach in weitere Schichten vor“.

Christoph Rei Ho Hatlapa´s Präsenz, die ungewöhnliche Zusammensetzung der Gruppe und nicht zuletzt die Erprobung von der Mischform, die wir spaßeshalber „SoZai“ nennen, verschafften den überwiegend erfahrenen Schülern einen herzerfrischenden Aufguss Anfängergeist.

Christoph Rei Ho Hatlapa´s Appell folgend, Dogen wieder mehr in unsere Mitte zu holen und dessen Unterweisung von AIGO zu beherzigen, werde ich, gemeinsam mit der GFK-Trainerin und Zen-Schülerin Ute Faber, erneut einen Einführungskurs „ZEN & GFK“ in die Gewaltfreie Kommunikation im Bonner San Bo Dojo anzubieten.

Der Termin ist der 29.08. – 30.08.2014.

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