Interview mit Andreas Klein von Sukha Yoga

Bereits Anfang 2015 führten Andreas Klein von Sukha Yoga und ich ein Interview und sprachen über seine Arbeit als Yogalehrer und Massage-Therapeut sowie seine Workshopangebote aus verschiedenen Bereichen der klassischen Yogaphilosophie.
Am 19.11.2023 findet nun ein Workshop „Yoga – Mensch – Natur“ mit Andreas Klein bei 3 schätze statt. Zeit für ein weiteres Interview…

3 schätze: Hallo Andreas, schön, dass es mit einem Gespräch klappt. Bereits 2011 hast Du ja das Sukha Yogazentrum gegründet. Damit sind Sukha und 3 schätze ja fast gleich alt, da ich den 3 schätze Laden Mitte 2012 eröffnet habe. Erzähl uns doch kurz etwas über Dich und Deinen Werdegang…

Andreas Klein: Hallo Patrick, vielen Dank, ich freue mich auch sehr über unser Gespräch. Mein Werdegang ist eigentlich schnell erzählt. Ich habe sehr früh begonnen, mich für asiatische Kultur und Philosophie zu interessieren, weil ich einen Gegenentwurf zu unserem westlichen Lebenswandel gesucht hatte. Als ich 14 war habe ich mein erstes Buch über buddhistische Meditation gelesen und hatte das Gefühl, auf der richtigen Spur zu sein. Ich habe dann verschiedene Dinge ausprobiert, u. A. Vipassana und Qi Gong, bis ich mit Mitte 20 beim Yoga gelandet bin. Dort habe ich schnell festgestellt, dass das mein Weg ist. Als ich dann angefangen habe, mich näher mit Yoga zu beschäftigen, bin ich immer wieder über den Namen Krishnamacharya gestolpert, er gilt als einer der weinigen Lehrer, die Yoga, so wie er ursprünglich gedacht war beherrscht haben und er hatte die Gabe, diesen Yoga undogmatisch und Zeitgemäß weiterzugeben. Auf der Suche nach einem Lehrer hatte dann das Glück R. Sriram zu begegnen, der ein langjähriger Schüler von T.K.V. Desikachar, Krishnamacharyas Sohn und engstem Schüler war. Von ihm lerne ich jetzt seit über 17 Jahren und es geht immer weiter.

3 schätze: Du legst, neben der körperlichen Yogapraxis, besonderen Wert auf Meditation und das Studium der Yogaphilosophie. Gibt es da einen Schwerpunkt in den überlieferten Texten und auf was liegt Dein Fokus?

Andreas Klein: Mein Fokus liegt auf dem Yogasutra. Das Yogasutra ist, aus meiner Sicht der faszinierendste und zugleich der am meisten missverstandene Text des Yoga. Ich finde ihn so faszinierend, weil er es schafft, in wenigen Worten alles auf den Punkt zu bringen, was es über Yoga zu wissen gibt. Was andere Texte in über Tausend Versen erklären, kommt im Yogasutra mit einhundertsechsundneunzig Versen aus, die sprachlich sehr elegant sind. Das gibt dem Text eine große Ästhetik.
Neben dem Yogasutra unterrichte ich einige weitere Texte der klassischen und nicht-klassischen Yogaphilosophie. Der Schwerpunkt liegt allerdings immer auf der Praxis – auf der Yogamatte und im Alltag, ohne die Praxis haben die Texte keinen Wert.

3 schätze: Warum hältst Du es überhaupt für sinnvoll sich mit der Yogaphilosophie zu beschäftigen?

Andreas Klein: Kurz gesagt: Weil das Leben dann leichter und friedlicher wird.
Etwas ausführlicher gesagt: Yoga ist etwas universelles, es gibt keine Dogmen, aber Yoga folgt einem klaren Weg, der zu größerer Freiheit führen soll. Wenn man einen bestimmten Weg gehen möchte und weicht dabei nur ein paar Grad ab, merkt man das am Anfang nicht. Doch je weiter man läuft, desto mehr entfernt man sich dem Pfad, den man ursprünglich gehen wollte. Die Yogaphilosophie zeigt, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten müssen, um den Pfad nicht aus den AUgen zu verlieren. Wenn man Yoga nicht auf der Basis der Philosophie übt, bleibt man an der Oberfläche und das, was Yoga eigentlich zu bieten hat, wird sich nicht erschließen.

3 schätze: Du hast mir erzählt, dass Du seit geraumer Zeit schon für das Magazin Yoga Aktuell schreibst. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Hast Du dort eine feste Kolumne oder reichst Du der Redaktion einfach immer mal wieder passende Texte rein?

Andreas Klein: Ich habe schon immer gerne geschrieben. Irgendwann dachte ich mir: Probier’s doch einfach aus, vielleicht hat ja jemand Lust, etwas von mir zu veröffentlichen. Also habe ich einen Artikel über ein Thema, das mir am Herzen lag geschrieben und ihn an die Redaktion der Yoga Aktuell geschickt. Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass er veröffentlicht wird, aber nach zwei Wochen habe ich eine Mail erhalten, in der mir die Redaktion mitteilte, dass ihnen der Artikel sehr gut gefällt und sie ihn publiziern möchten. Ich konnte es gar nicht fassen.
Seitdem schreibe ich regelmäßig für das Magazin. Eine feste Kolumne habe ich allerdings nicht, ich möchte nicht unter dem Druck stehen, zu einem festen Zeitpunkt etwas abliefern zu müssen. Bei mir ist es so, dass wenn ich eine Idee habe, ich mich hinsetze und schreibe. Wenn etwas Gutes daraus entsteht reiche ich es ein und warte ab.

In der neuen Yoga aktuell (05/2023) habe ich unter Überschrift „Die Weisheit der Upanishaden“ über die Verbindung von Mensch und Natur und wie wir unser Bewusstsein für unsere essentielle Zugehörigkeit zur Erde und für unsere Einheit mit der Schöpfung mit Impulsen aus der yogischen Weisheit wieder neu beleben können geschrieben.

3 schätze: Im November (19.11.2023) bietest Du den Workshop „Yoga – Mensch – Natur“ bei 3 schätze an. Hier geht es um die Verbindung von Mensch und Natur in der indischen Philosophie. Ich freue mich über die Wahl des Themas, welches in Zeiten eines sich dramatisch verändernden Klimas, besondere Aufmerksamkeit bedarf. Magst Du zu den Inhalten/Methoden des Workshops etwas sagen? Was erwartet die Teilnehmenden?

Andreas Klein: Ich freue mich, dass Dir das Thema gefällt. Diese Umweltkatastrophen, wie der Klimawandel oder das Artensterben beschäftigen mich auch ständig. Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, was die indische Philosophie dazu sagt und ob sie vielleicht sogar Lösungsansätze bietet.

In dem Seminar schauen wir uns verschiedene Quelltexte der Yogaphilosophie zu diesem Thema an, u. A. die Bhagavad Gita und eine der ältesten Upanishaden. Es geht um die Frage, auf welche Weise wir Menschen mit der Natur verbunden sind und was echte Naturverbundenheit bedeutet. Daraus können wir eine neue Perspektive entwickeln, aus der wir auch sehen können, was schief gelaufen ist. Das wichtigste, finde ich ist, dass die Texte sagen, dass wir nicht verzweifeln müssen. Sie richten den Blick auf vorhandene Potenziale und die Möglichkeiten, etwas zu ändern. Neben der Theorie machen wir das Ganze natürlich mit praktischen Yogaübungen erfahrbar.

3 schätze: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Wer mehr über den kommenden Workshop erfahren möchte, sollte hier weiterlesen

Das Interview mit Andreas Klein aus dem Jahr 2015 findet Ihr hier

Kontakt:
Sukha – Zentrum für Yoga – Meditation – Philosophie
Am Kreuztor 13, 53721 Siegburg
info@sukha.yoga
https://www.sukha.yoga

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